Anleitung: Bienen einlogieren

Du hast einen Schwarm, was nun? Irgendwo an einem kühlen dunklen Ort steht nun seit gestern dein Schwarm in einer Schwarmfangkiste in der sogenannten Kellerhaft. Wenn es ein vorweggenommener Schwarm war, sollte er gefüttert werden. Auch einen Naturschwarm kann man füttern. Wie das genau geht und was als nächstes kommt, erläutern wir dir hier ausführlich – mit praktischer Videoanleitung.

Zur Fütterung wird eine 1:1 Zucker-Wasserlösung in einem Einmachglas mit Mini-Loch im Deckel verkehrt herum auf einen Gitterbereich oder ein dafür extra vorgesehenes Loch der Schwarmfangkiste gestellt. Die Bienen werden aus der Traube heraus versuchen, Kontakt zur Futteröffnung herzustellen und versorgen sich so mit dem Futter. In freier Wildbahn halten Naturschwärme erfahrungsgemäß etwa eine Woche ohne Futter durch. Es spricht aber nichts dagegen, es ihnen nach dem Fang mit Futter in der Schwarmfangkiste leichter zu machen. Oft ist auch nicht sicher wie lange sie schon an dem Ort hingen, als sie eingesammelt wurden. Hungrige Bienen werden zudem oft unzufrieden und stechen.

  • Bevor die Bienen in die Behausung einziehen können, muss diese bezugsfertig, kippsicher, stabil und gerade (Wasserwaage) an ihrem Platz stehen. Die Rähmchen sind alle fertig zusammengebaut, das Trennschied und das Jutetuch an ihrem Platz in der Kiste.
Erster Praxistermin in Frankfurt 2016 - ein Schwarm läuft in die Bienenbox ein.

Erster Praxistermin in Frankfurt 2016 – ein Schwarm läuft in die Bienenbox ein.

Das schönste Erlebnis eines Einzugs der Bienen in ihre neue Bienenbehausung ist sicherlich das Einlaufen lassen. Es empfindet den natürlichen Einzug eines Volkes in freier Natur nach. Wenn sich die Bienen für eine Behausung entschieden haben, löst sich die Schwarmtraube auf, sie fliegen los und sammeln sich am Eingang der neuen Behausung und laufen hinein. Für das Einlaufen lassen zu Hause sollten gute Wetterbedingungen herrschen: warm, kein Regen und Wind. Und natürlich sollte man Zeit einplanen, denn hier bestimmen die Bienen das Tempo.

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Der Einmarsch in die BienenBox.

Man baut nun z. B. aus Brettern eine Rampe zum Flugloch und deckt diese mit einem weißen Tuch ab. Auf dieses Tuch schüttet man die Bienen aus der Schwarmfangbox. Wenn die Traube am Deckel hängt, kann man diesen über dem Tuch abstossen. Ist das nicht der Fall, stösst man die geschlossene Kiste einmal kräftig auf, öffnet den Deckel und schüttet die Bienen auf das Tuch möglichst nahe am Flugloch. Sollte die Königin im Clip sitzen, entlässt man sie in den Bienenstrom ebenfalls nahe dem Flugloch. Innerhalb kürzester Zeit werden die Bienen sich Richtung Flugloch orientieren und eine deutliche Marschrichtung in die Behausung kann beobachtet werden. Sollte das nicht passieren, kann man mit einem Eßlöffel vorsichtig einige Bienen zum Flugloch schaufeln. Es ist auch hier möglich, den Bienenstrom vorsichtig mit Wasser zu benetzen, um den Bienen das Auffliegen zu erschweren. Die Bienen orientieren sich sehr bald in Richtung der dunklen Höhle.

  • Schwarmbienen sind Baubienen. Ein Naturschwarm besteht zum Grossteil aus Jungbienen. Diese haben zuvor das Muttervolk noch niemals verlassen und sich noch nicht an der Landschaft orientiert. Das ist eine Erklärung dafür, warum sie nach Auflösung der Schwarmtraube eher zu Fuss versuchen, Kontakt zu ihren Schwestern und der Königin zu halten und vorrangig in die neue und dunkle Höhle oder Behausung einmarschieren und kaum auffliegen. Deutlich wird hier auch ihre Neigung nach oben zu laufen.
 
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Hier haben sich erst viele Bienen an der Front gesammelt.

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Wenn die Rampe bienenfrei ist, kann sie weg.



Es ist auch möglich, den Schwarm aus der Schwarmfangkiste direkt in die Behausung einzuschlagen. Hierzu findet ihr ein Video:




 Dazu wird in der Behausung fluglochnah Platz geschaffen und die Rähmchen erstmal zur Seite gestellt. Sollte die Traube am Deckel der Schwarmfangkiste hängen, kann man den Deckel nun vorsichtig über die Behausung heben und den Schwarm in die Behausung abstossen. Befindet sich die Königin im Clip, wird diese aus dem Clip in die Behausung entlassen. Die Schwarmfangkiste wird dann aufgestossen und der Rest der Bienen ebenfalls eingeschlagen. Sobald die Schwarmfangkiste bienenleer ist, wird sie weggeräumt. Jetzt werden die Rähmchen vorsichtig zurück in Position gebracht, das Jutetuch aufgelegt und der Deckel zu gemacht. Sehr schnell zeigen sich sterzelnde Bienen am Flugloch, die ihren Schwestern über Pheromone mitteilen, wo der Eingang ist und sich die Königin befindet.

Am nächsten Tag wird nun erneut geöffnet und der Bienensitz kontrolliert. Die Bienen haben auch hier wieder eine Traube gebildet, in deren Innerem sie bereits den neuen Wabenbau begonnen haben. Alle Rähmchen, an denen die Bienentraube nicht sitzt, werden hinter das Schied gehängt. Ein typisches Szenario ist, dass etwa 6 bis 8 Rähmchen ab der fluglochnahen Wand mit Bienen besetzt sind. Das ist aber abhängig von der Grösse des Schwarms. Als Abschluss setzt man das Trennschied.

Je nach Trachtsituation kann es notwendig sein, den frisch eingezogenen Schwarm mit Futter zu unterstützen.

Solch eine Situation ist z.B. direkt nach dem Einlogieren tagelang anhaltendes Regenwetter, während dem die Bienen nicht fliegen und selbst für Futter sorgen können. Auch hier kommt 1:1 Zucker-Wasserlösung zum Einsatz. Diese wird in kleinen Mengen (0,5-1L) in eine Schale oder Schüssel hinter dem Trennschied oder in der passenden Futtertasche angeboten. Zwei Faktoren sind entscheidend: mit dem Füttern sollte erst nach 1-2 Tagen eingesetzt werden, da die Bienen aus der Bautraube heraus versuchen, Kontakt zur Futterquelle herzustellen. Das kann dazu führen, dass die neuen Waben nicht an den Oberträgern angebaut werden, sondern z.B. am Jutetuch hinter dem Schied nahe über der Futterschale. Der zweite wichtige Faktor ist: Bienen können nicht schwimmen. Offenes Futterangebot in der Futtertasche oder aus einer Schale sollte immer mit Korken, einer Hand voll Gras oder ähnlichen Schwimmkörpern abgedeckt werden, so dass die Bienen gut hinein und hinaus klettern können und nicht ertrinken.

  • Stellt man bei der Kontrolle wenige Tage nach dem Einlogieren fest, dass die Waben nicht wie gewünscht entlang den Oberträgern sondern z.B. diagonal zu den Rähmchenoberträgern verlaufen und mehrere Rähmchen miteinander verbaut werden, sollte der junge Wabenbau möglichst rasch entfernt werden. Die Bienen müssen dann neu beginnen. Für den*die Bienenhalter*in ist es entscheidend für die Betriebsweise mit Rähmchen im Mobilbau, dass diese einzeln zu ziehen bleiben.

In den nächsten Wochen wird nun regelmäßig immer dann erweitert, wenn die Randwaben zu mindestens 2/3 ausgebaut sind.

Quellen:
http://www2.ece.ohio-state.edu/~passino/PapersToPost/GrpDecMakHoneyBees-AmSci.pdfhttps://www.lwg.bayern.de/mam/cms06/bienen/dateien/fuetterung_.pdf

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