Das Bienenjahr geht zu Ende: Anleitung zum Einfüttern für den Winter!

Inhalte - Termin 3
Auch wenn das Wetter in fast allen Regionen Deutschlands nochmal richtig sommerlich wird und perfektes Flugwetter für die Bienen herrscht, gibt es draussen in der Landschaft kaum noch was zu holen für die Bienen. Um diese Jahreszeit sind in unserer Agrarlandschaft die Felder abgeerntet, Straßenränder und Feldwege gemäht. Das Heu und Grassilage ist gemacht und alle Wiesen kurz.

Es finden sich kaum noch Blüten für die Versorgung mit Nektar und Pollen. In den Städten ist die Bienentracht abwechslungsreich und anhaltender als auf dem Land. Die letzte grosse Baumtracht oder Massentracht, die Winterlinde ist aber auch hier Ende Juli verblüht. Wir freuen uns über Schnurrbaum, wilden Wein, Efeu, Himbeere, Heide und andere, wenn sie denn in erreichbarer Nähe vorkommen.
Efeu ist eine wichtige Herbsttracht, nicht nur für Honigbienen.

Efeu ist eine wichtige Herbsttracht, nicht nur für Honigbienen.

 Die Bienen brauchen, um über den Winter zu kommen 10-15 kg Futter, also Honigvorräte. Schwankungen sind je nach Volksgrösse, Brutsituation und Witterungsverlauf im Winter oder Beginn der Tracht im nächsten Frühjahr möglich. Peilt man 10-15 kg an, liegt man aber auf der sicheren Seite. Der Wintervorrat an Honig muss reichen, bis ab Mitte April und hoffentlich gutem Flugwetter wieder die erste Frühjahrstracht blüht und für die Bienen erreichbar ist.

„Muss ich also meine Bienen füttern? Ich habe doch kaum Honig geerntet? Und mein Schwarm ist von Mai, da lasse ich doch alles drin. Reicht das nicht?“


Hierzu sollte bei einer Durchsicht, z.B. vor Einstellen des Nassenheider Verdunsters zur Sommerbehandlung mit Ameisensäure bereits abgeschätzt werden, wie viel Futter, also verdeckelter Honig vorhanden ist. 1dm beidseitig verdeckelter Honig wiegt etwa 0,250kg. Eine Kuntsch hoch Wabe in der Bienenbox, die mit Honig gefüllt ist also etwa 2 kg.

Honig in Naturwaben: ein wunderbarerer Anblick!

Honig in Naturwaben: ein wunderbarerer Anblick!

Solange die Bienen brüten, verbrauchen sie etwa 1 kg Honig in der Woche. Im Spätsommer und Herbst kommt noch etwas Nektar durch die Sammeltätigkeit rein. Nicht selten werden die Völker ab Mitte Juli aber wieder leichter statt schwerer.

Was füttere ich?

Winterfutter lässt sich einfach selber anrühren aus 3 Teilen Zucker und 2 Teilen Wasser. Man kann eine kleine Brise Salz zugeben, da Bienen mineralhaltiges Futter gerne annehmen. Wer eigenen Honig hat, kann die Futterlösung mit 10% eigenem Honig anreichern. Gekaufter oder fremder Honig darf niemals zum Einsatz kommen, da hier das Risiko der Übertragung von Amerikanischer Faulbrut besteht, einer meldepflichtigen Bienenseuche.


Wann füttere ich?

Nach der Honigernte oder Mitte Juli sollten die Bienenvölker den ersten Futterschub erhalten. Das können z.B. 3-5 kg verflüssigter Zucker sein, je nach Volksgrösse. Während der Behandlung mit Ameisensäure sollte keine Fütterung stattfinden. Hohe Luftfeuchtigkeit wirkt sich negativ auf die Verdunstungsrate der Säure aus, Milben werden nicht ausreichend geschädigt und der gewünschte Behandlungserfolg könnte ausbleiben. Nach abgeschlossener Behandlung wird das restliche Futter gegeben. Die Einfütterung sollte bis Mitte September abgeschlossen sein.  

Wie füttere ich?

Das Futter kann in offenen Gefäßen wie z.B. einem 5Liter-Eimer hinten in die Behausung eingestellt und angeboten werden. Offene Bienenfütterung ausserhalb der Behausung ist in Deutschland verboten. „Bienen können nicht schwimmen!“ Es ist also wichtig, Steighilfen und Schwimmer in das Gefäß zu legen. Das können Grasbüschel, aufgeschnittene Weinkorken  oder ähnliches sein. Wenn das Gefäß glatte Wände hat, braucht es Kletterhilfen hinein und heraus. Bienen laufen im Stock und fliegen nicht. Ungünstig sind beispielsweise Glasgefäße mit nach innen gewölbtem Rand. Eine weitere Fütterungsvariante ist das Füttern aus Gläsern mit twist-off Deckel, die mit einem kleinen Loch im Deckel versehen werden. Diese stellt man auf den Kopf auf Leistchen. Die Gläser ziehen Vakuum und tropfen nicht. Die Bienen krabbeln von unten an das Loch und holen das Futter ab. Grundsätzlich sollte wegen Räubereigefahr abends kurz vor Sonnenuntergang gefüttert werden. Die Bienen sagen Bescheid, dass sie eine „extrem gute Futterquelle ganz in der Nähe“ gefunden haben. Es dauert einen Moment, bis klar ist, das das Futter IN der Behausung steht. Das Füttern selbst führt also zu erhöhter Flugaktivität. Damit der Duft der Futterquelle Bienen aus der Nachbarschaft nicht unnötig anlockt, sollte – wenn die Witterung es zulässt und es nicht zu heiss ist – das Flugloch verkleinert werden (Keil rein und auf grössere der beiden Varianten) und der Gitterboden geschlossen sein. Verkleckertes Futter beim Einstellen sofort mit Wasser wegspülen.  

Wie viel füttere ich?

…kleines Rechenbeispiel: Man findet am Rande des Brutnestes fluglochfern 3 volle Honigwaben. Das entspricht etwa 6kg Futter.  Auch im Brutnestbereich finden sich Futterkränze im oberen Bereich der Waben. Um sicher auf 15 kg zu kommen, sollte man etwa 12 Liter 3:2 Zucker-Wasser-Lösung einfüttern. Das tut man beispielsweise in zwei Schüben: einer vor und einer nach der Sommerbehandlung. Das ist allerdings nur ein Rechenbeispiel. Die Volksstärke, das Brutverhalten  und der Witterungsverlauf haben grossen Einfluß auf die Futtersituation. Klarheit bringt eine gezielte Durchsicht spätestens Ende August zum Abschätzen des Futtervorrates. Sollte es nicht reichen, bleibt etwas Zeit noch nachzulegen. Zur Vereinfachung kann man auch 1kg weißen Haushaltszucker einem Kilo Futter gleichsetzen.

Hier ist der Winter schon fast Geschichte. Die erste reiche Pollen- und Nektartracht hat begonnen.

Hier ist der Winter schon fast Geschichte. Die erste reiche Pollen- und Nektartracht hat begonnen.

Der Wintervorrat muss bis beginnender Obstbaumblüte die regional unterschiedlich ab Mitte/ Ende April zu erwarten ist, reichen! In milden Wintern brüten etwa die Hälfte der Völker durch und verbrauchen dazu stetig ihre Vorräte. Im Februar finden zwar bereits die ersten Reinigungsflüge statt, Nektar gibt es aber noch kaum. Wer gut eingefüttert hat, braucht sich keine Sorgen machen.



      

Quellen:

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1 Kommentar

  1. Jan Meyer
    Jan Meyer
    zu
    | Antwort

    Hey Alix,

    danke für die tolle Anleitung für die Einfütterung.
    Ich habe trotz der Fachliteratur und dem Imkerkurs vor dem Winter nochmals im Web recherchiert und dann u.a. diese Doku gefunden.

    Zum Glück sind meine Völker gut über den Winter gekommen.
    Leider sind aber zwei Völker dem Sturm zum Opfer gefallen und dass obwohl die Beuten mit einem Spanngurt und einem Stein gesichert waren.
    Traurige Sache 🙁

    Macht weiter mit eurem tollen Projekt!

    lg, Jan

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