Gemeinsam für Natur und nachbarschaftlichen Zusammenhalt: Das war unser Projekt “Familien schwärmen aus”

Kreuzberger Grünflächen wurden zu lebendigen Lernorten: Im Stadtbienen-Projekt „Familien schwärmen aus“ haben sich Kinder und Erwachsene gemeinsam auf Entdeckungstour durch die Stadtnatur begeben, Fragen gestellt und selbst aktiv erlebt, wie vielfältig die Welt der Bienen ist. Im Laufe von zwei Jahren ist daraus ein gemeinsamer Lern- und Begegnungsraum für Familien aus dem Quartier gewachsen.

Ein Projekt, das klein begann

Am Anfang waren es nur wenige Familien, die sich neugierig zu den ersten Treffen wagten. Manche lebten schon länger in Deutschland, andere erst seit kurzer Zeit. Die Sprachen waren unterschiedlich und auch die Erfahrungen mit und in der Natur. Doch draußen, zwischen Beeten, Bäumen und summenden Insekten, spielte das schnell keine große Rolle mehr.

Kommuniziert wurde mit Händen und Füßen, mit Lachen und Gesten und vor allem durch das gemeinsame Tun. Und es funktionierte. Aus gelegentlichen Treffen wurden regelmäßige Begegnungen. Aus einer unverbindlichen Gruppe wurde nach und nach etwas Verbindendes, Festes.

„Ich bin seit zwei Jahren mit meinen Kindern in Deutschland. Sie haben die Aktivitäten geliebt und viel über die Natur gelernt. Für mein Deutschlernen war das Projekt eine große Unterstützung. Mein Wunsch ist es, später selbst in solchen Projekten mitzuarbeiten und geflüchteten Menschen zu helfen.“ 
– Pervin

Gemeinsam am Bienenstand

Kinder und Erwachsene lernten im Projekt „Familien schwärmen aus“ die Welt der Bienen und die Natur in ihrer Vielfalt kennen.

Von „Gemeinsam Imkern“ zu „Familien schwärmen aus“

„Familien schwärmen aus“ ist aus dem interkulturellen Imkerprojekt „Gemeinsam Imkern“ hervorgegangen, das bis Ende August 2023 vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gefördert wurde. Schon dort zeigte sich, wie bereichernd es ist, wenn Kinder bei den Treffen ganz selbstverständlich dabei sind: Sie stellten Fragen, beobachteten genau – und brachten eine Leichtigkeit in die Gruppe, die auch die Erwachsenen begeisterte.

Mit „Familien schwärmen aus“ wurden diese Erfahrungen aufgegriffen und weiterentwickelt. Das Projekt richtete sich bewusst an Familien, insbesondere auch an Frauen mit Kindern, und schaffte einen Rahmen, in dem alle teilnehmen konnten – unabhängig von Alter und Vorwissen. Die Inhalte entstanden gemeinsam und waren so angelegt, dass sie sowohl das Interesse der Kinder als auch der Erwachsenen weckten.

Bienen als Türöffner für Artenvielfalt

Die Honigbienen boten vielen Familien einen ersten Zugang zum Projekt. Gemeinsam füllten sie Honig ab, legten Schutzkleidung an oder arbeiteten am Bienenstand. Die Erwachsenen halfen den Kindern beim Anziehen der Handschuhe, beobachteten mit ihnen die Völker und erklärten die nächsten Schritte mit Ruhe und Aufmerksamkeit. Solche Momente machten deutlich: Lernen findet hier im Miteinander statt.

Mit der Zeit rückten Wildbienen stärker in den Fokus. An ihnen lässt sich besonders anschaulich zeigen, wie wichtig Städte inzwischen als Rückzugsräume für bestäubende Insekten geworden sind – und welche Rolle Blühflächen, Nisthilfen und strukturreiche Grünflächen für die Artenvielfalt spielen. So öffnete sich der Blick von der einzelnen Biene hin zu größeren ökologischen Zusammenhängen.

„Ich war von Anfang an dabei mit meinen zwei Kindern. Als aktive Gärtnerin mit eigenem Hochbeet habe ich durch das Projekt viel über Bienenvielfalt gelernt – und nebenbei neue Freunde gewonnen. Ich bin traurig, dass es vorbei ist. Es hat Spaß gemacht, im Team für die Umwelt und Nachbarschaft zu arbeiten und eigene Ideen einzubringen.“ – Fatme

Behutsame Honigernte

Die Kinder packten selbst mit an und holten den wertvollen Honig aus den Waben. Geerntet wurde nur die Menge Honig, die die Bienen nicht selbst zum Überwintern benötigten.

Draußen lernen – gemeinsam entdecken

Ein typischer Projekttag begann oft mit einer neugierigen Frage: Was finden wir heute?
Ein besonders eindrückliches Erlebnis war ein Ausflug in den Naturerfahrungsraum auf dem Tempelhofer Feld. Ausgerüstet mit Keschern, Becherlupen und Ferngläsern machten sich die Familien auf den Weg und schon nach wenigen Minuten gab es viel zu entdecken: Schmetterlinge, Raupen, Käfer, Wildbienen, Spinnen – eine Vielfalt, die viele mitten in der Stadt nicht erwartet hatten.

Durch die Lupen wurden kleine Details sichtbar, mit Büchern und Apps konnten die Tiere bestimmt werden. Es wurde gefragt, erklärt und gestaunt. Zum Abschluss saßen alle zusammen, tranken Tee und teilten Obst – ein gemeinsamer Ausklang nach einem Tag voller Eindrücke aus der lebhaften Natur.

Ähnliche Ausflüge führten unser Team und die Teilnehmenden auch in die Berliner Wälder: in den Grunewald, auf den Klimalehrpfad, zu bunten Herbstblättern und großen Fragen. Warum sind Wälder wichtig für das Klima? Wie verändern sie sich? Und was hat das alles mit unserem Leben in der Stadt zu tun?

“Was mir an diesem Projekt besonders gut gefallen hat, war die Freude der Familien an unseren Veranstaltungen mitzuerleben und die Faszination der Teilnehmenden zu sehen, wenn sie etwas Neues in der Natur erfahren haben.” – Leonie (Projektassistenz) 

Insekten und Pflanzen zum Anfassen und Erfahren

Die Kinder gingen selbst auf Erkundungstour in der Natur.

Vom Beobachten zum Handeln

Auf einst kahlem Boden entstand eine grüne Oase mitten im Kiez.

Kinder und Erwachsene verwandelten die triste Fläche gemeinsam in einen blühenden Ort.

Aus dem gemeinsamen Lernen entstand der Wunsch, selbst etwas zu verändern. Ein besonders sichtbares Beispiel dafür war eine Pflanzaktion im Mehringkiez. Rund um eine Platane lag dort lange Zeit nur kahle Erde. Gemeinsam mit dem Schwesterprojekt Mehr_Garten machten sich die Familien ans Werk: Mit viel Fingerspitzengefühl lockerten sie den Boden, um die flachen Wurzeln der Bäume nicht zu verletzen. Schubkarre für Schubkarre verteilten sie neue Erde, pflanzten Stauden, säten Samen aus, gossen und setzten einen kleinen Zaun. Für die Teilnehmenden war es ein intensives Naturerlebnis und ein erfüllendes Gefühl, selbst etwas geschaffen zu haben.

Mitten im Mehringkiez sind neue grüne Orte entstanden

gestaltet von kleinen und großen Händen. Jetzt darf’s blühen und wachsen!

Das Projekt erregte Aufsehen: Immer wieder blieben Nachbar:innen stehen, bedankten sich, kamen mit uns und untereinander ins Gespräch. Am Ende des Tages wurde aus einem grauen Fleck ein grüner Ort. Und aus einer Idee ein gemeinsames Erfolgserlebnis.

Ein starkes Team

Louay und Fatme, die als Ehrenamtliche unterstützten (links und rechts außen), mit Projektleiterin Chris (Zweite von links) und der begleitenden Imkerin Nadja (Zweite von rechts). Gemeinsam mit Projektassistentin Leonie haben sie “Familien schwärmen aus” lebendig gemacht und mit viel Herz und Wissen begleitet.

Auch im Winter verbunden

Wenn es draußen kalt wird, brauchen Bienen und Beete nicht viel Pflege – wir Menschen aber weiter den Kontakt untereinander, denn Austausch tut gut, gerade in der dunklen Jahreszeit. Also zog das Projekt nach drinnen, wo weiter gemeinsam gewerkelt, gelacht und gelernt wurde: beim Kerzengießen mit Bienenwachs oder beim Besuch im Kindermuseum unterm Dach in Lichtenrade.

Im Warmen setzten die Teilnehmenden den lebhaften Austausch fort. Besonders groß war das Interesse an Fragen rund um Ernährung, Lebensmittel und Alltagswissen – von der richtigen Lagerung über saisonale Produkte bis hin zu den Vorteilen regionalen Einkaufs. Spielerische Elemente, Rätsel und zahlreiche Aha-Momente machten nachhaltiges Handeln im Alltag anschaulich und unmittelbar erlebbar.

Kerzenziehen mit Bienenwachs beim Projekt Familien schwärmen aus

Umzug ins Warme

Auch in der kalten Jahreszeit bleibt die Natur Teil des Projekts, zum Beispiel beim gemeinsamen Kerzengießen mit Bienenwachs.

Was bleibt – und wie es weitergeht

Auch wenn das Projekt „Familien schwärmen aus“ offiziell abgeschlossen ist, endet das Engagement nicht. Die Honigbienen sind in den Kiezgarten in der Friedrichstraße 1 umgezogen und werden dort vom Schwesterprojekt Mehr_Garten betreut. Auf dem Gelände der Bauhütte pflegen Familien weiterhin bienenfreundliche Beete und bleiben aktiv im Kiez.

Das Bewusstsein der Teilnehmenden für die Natur ist größer geworden: Viele Kinder schauen heute genauer hin, wenn es summt und krabbelt. Die “Großen” wissen viel mehr, was sie konkret tun können für die und in der Natur – und trauen sich, es auch zu tun.

“Familien schwärmen aus” lebt weiter – in Gärten, Gesprächen und im gemeinsamen Wunsch, Berlin lebendig und vielfältig zu gestalten.

“Familien schwärmen aus” ein Förderprojekt 

„Familien schwärmen aus“ wurde im Rahmen des Bundesprogramms Gesellschaftlicher Zusammenhalt (BGZ) gefördert. Das Programm unterstützt Menschen, die sich vor Ort für das Gemeinwohl engagieren, und fördert Projekte, die das Miteinander in Städten und Kommunen nachhaltig stärken.

Deutschland ist vielfältig – geprägt von unterschiedlichen Lebensweisen, Geschichten und Hintergründen. Damit alle Menschen sich als Teil dieser Gesellschaft verstehen und sie aktiv mitgestalten können, schafft das BGZ Räume für Begegnung, gemeinsames Lernen und Engagement. Ziel ist es, Vertrauen aufzubauen, Teilhabe zu ermöglichen und ein solidarisches Zusammenleben zu fördern.

Im Unterschied zu Firmenkooperationen oder Angeboten für zahlende Teilnehmer:innen werden Förderprojekte wie dieses durch öffentliche Mittel finanziert. Das ermöglicht es Stadtbienen, soziale und ökologische Projekte unabhängig vom Druck wirtschaftlicher Rentabilität umzusetzen – zeitlich begrenzt, aber mit Wirkung weit über die Projektlaufzeit hinaus.

Wenn Sie als Fördermittelgeber nach erfahrenen Partnern in der Umsetzung suchen, kommen Sie gerne auf uns zu. Wir sind offen für neue und spannende Projekte im Bereich Natur, Gemeinschaft und Teilhabe und freuen uns auf den Austausch.

Melden Sie sich bei Interesse gerne bei
Andreas Roth (Projektleitung Mehr_Garten)
andreas@stadtbienen.org

Bildnachweis

1: Header: Marie Fröhlich
3: Honigernte: Marie Fröhlich

5: Pflanzaktion: Louay Dawoud
6: Beete: Louay Dawoud

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