Naturwabenbau und Bienenwachs

Wenn wir an die Biene denken, denken wir an Honig, an Bestäubung und ihre Rolle für unsere Lebensmittelversorgung und das Bienensterben, welches in den Medien allgegenwärtig ist. Aber da war doch noch was:

Bienenwachs

 
"Wellenreiten" auf Naturwabenbau.

„Wellenreiten“ auf Naturwabenbau.

„Ein Bienenvolk muss immer als Gesamtheit aus Bienen, seinem Wabenwerk und der Aussenhülle – der Behausung – gesehen werden. Nur wenn alles vorhanden ist, ist die westliche Honigbiene in der Lage mehrere Jahre zu Überdauern und sich zu vermehren.“
Bienen-KetteDie BienenBox ist ein Mobilbausystem mit Rähmchen im Rahmenmass Kuntzsch Hoch. Die Oberträger sind mit einem Schiffsrumpfprofil versehen und bieten so eine nötige Voraussetzung für Naturwabenbau. Wenn ein Schwarm in eine Behausung einlogiert wird, beginnen die Bienen sofort mit dem Errichten ihres Wabenwerkes. Dabei bilden sie eine Bautraube und aus ihren Körpern ein lebendes Lot Richtung Erdmittelpunkt, an dem entlang die Waben gebaut werden.

Wachsschuppen sind kristallklar und nur 0,0008g leicht.

Wachsschuppen sind kristallklar und nur 0,0008g leicht.

Die Fähigkeit zum Bauen ist bei Arbeitsbienen besonders ausgeprägt zwischen dem 12. – 18. Lebenstag, kann aber in Notfällen auch später reaktiviert werden. Zum Bauen schwitzen die Bienen an 8 Paar Wachsdrüsen an der Unterseite ihres Hinterleibes Wachsschüppchen aus. Die Wachsschüppchen sind kristallklar und durchsichtig, die gelbe Wachsfarbe ergibt sich später durch fettlösliche Bestandteile im Pollen.
Das Wabenwerk dient als Skelett und Lager für Brut, Pollen und eingetragenem Nektar der zu Honig umgearbeitet wird. In der Dunkelheit des Bienenstockes kommunizieren die Bienen unter anderem über das Tanzen auf den Waben und die dadurch erzeugten Schwingungen des Wabenwerkes. Es ist mathematisch nachvollzogen und belegt, dass die sechseckige Wabenform genau die Form ist, die am wenigsten (Verpackungs-)Material für maximales (Lager-)Volumen und damit Lagerkapazität darstellt.

Zwischen Drohnenbrut (links) und Arbeiterinnenbrut (rechts) ist eine Königin geschlüpft.

Zwischen Drohnenbrut (links) und Arbeiterinnenbrut (rechts) ist eine Königin geschlüpft.

Das Bienenwachs ist bei Temperaturen zwischen 32°C und 36°C plastisch fest und für die Bienen gut zu bearbeiten. Eine Wabenfläche von 10x10cm wiegt 12g und bietet Platz für 350g Honig oder 840 Arbeiterinnenzellen. Liegen die Temperaturen in der brutfreien Zeit im Winter deutlich darunter, wirkt der Naturwabenbau eher kristallin und ist leicht brüchig. Der Schmelzpunkt von Bienenwachs liegt bei 62°C-65°C. Diese 3 Zustände des Bienenwachses erinnern an die Schulzeit und die Aggregatzustände aus der Chemie. Heute ist Bienenwachs, welches ein wertvolles und knappes Gut ist, in der Industrie weitgehend ersetzt durch Stearin und Paraffin. Bienenwachs findet sich vor allem in Kosmetik oder pharmazeutischen Artikeln wieder. Als Lebensmittelzusatzstoff trägt es die E Nummer E 901.

In der modernen Imkerei werden heute in der Regel Mittelwände aus recyceltem Bienenwachs eingesetzt. Das Mittelwandwachs wird dazu chemisch gewonnen und geklärt und z.T. mit Fremdwachsen wie Paraffin versetzt. Im Mittelwandwachs können sich fettlösliche Rückstände aus Varroabekämpfungsmitteln und Pflanzenschutzmitteln wiederfinden. Mittelwände haben eine technische Dicke von 1mm während Naturwaben nur 0,07mm dünn sind. Das hat einen Effekt auf die Wärmeleitfähigkeit als auch die Fähigkeit zum Schwingen des Wabenbaus bei der Bienenkommunikation.

Hier erkennt man deutlich Drohnenbau (links), Honigvorräte (oben) und Arbeiterinnenbrut (rechts) - die Bienen bauen Zellgrösseen nach ihren Bedürfnissen.

Hier erkennt man deutlich Drohnenbau (links), Honigvorräte (oben) und Arbeiterinnenbrut (rechts) – die Bienen bauen Zellgrössen nach ihren Bedürfnissen.

Im Naturwabenbau wählen die Bienen verschiedene Zellgrössen nach ihren Bedürfnissen. Mittelwände sind vorgeprägt und haben ein einheitliches Zellmaß. Die Zellmaße bei Völkern mit Naturwabenbau variieren. Der Einsatz von Mittelwänden ist in der Erwerbs- und honigintensiven Hobbyimkerei aus rationellen Beweggründen im Sinne einer effizienten und gewinnbringenden Bewirtschaftung weit verbreitet. In einer ökologischen und tiergerechten Bienenhaltung ohne Ertragsstreben lässt sich aber leicht auf Mittelwände verzichten. Man spart sich Arbeitsgänge und Ausgaben für das Beschaffen und Einlöten der Mittelwände in die Rähmchen und kommt in den Genuss des Bestaunens eines organisch gewachsenen Bienennestes. Das Bienenvolk wird nach dem Einzug innerhalb von zwei Wochen bei stetigem Nektarfluss sein Wabenwerk errichten. Die Hauptbautätigkeit fällt dabei auf die Monate April bis Juni.

Aus dem Wachs lässt sich einiges selbst herstellen:


  •  Bei der Lagerung von Bienenwaben ist einiges zu beachten. Die Wachsmotte, als natürliche Müllabfuhr befällt das Wabenwerk. Ihre Made ernährt sich von proteinhaltigen Resten und frisst sich durch die Waben. Waben lagert man am besten kühl (unter 10°C) und gut belüftet.

  •  Immer wenn man mit Bienenprodukten hantiert (Waben, Honig) lockt das andere Bienen an. Honigernte sowie das Einschmelzen von Waben sollte deshalb immer in einem bienendichten Raum statt finden. Das Wachsschmelzen verlegen viele Bienenhalter daher oft auch auf die bienenflugfreie kalte Jahreszeit.

  •  Wachs ist hoch brennbar. Es sollte dabei nie direkt erhitzt werden. Gut funktionieren Sonnenwachsschmelzer oder auch ein alter Dampfentsafter.
 


Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Bienenwachs
http://www.bee-hexagon.net/files/file/filesD/Bienenprodukte/Bienenwachs.pdf
http://www.lebendigeerde.de/index.php?id=feld_stall_093
https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Mehring;
https://www.lwg.bayern.de/mam/cms06/bienen/dateien/bienenwachs.pdf
http://www.imkerei-fischermuehle.de/fix/doc/Bericht%20Kleinzellen%2002-2009.2.pdf

Zurück zur Blog Hauptseite

Kommentar abgeben