Sommerbehandlung gegen den Varroabefall von Honigbienen

Die Varroamilbe gehört zu den größten Gefahren für die Bienengesundheit – ohne gezielte Gegenmaßnahmen kann sie ein Volk innerhalb weniger Jahre zerstören. Besonders im Sommer ist eine Behandlung entscheidend: Jetzt wird die Generation der Winterbienen aufgezogen, die das Volk durch die kalte Jahreszeit trägt. Damit diese Bienen stark und langlebig sind, muss die Milbenlast deutlich gesenkt werden. Verschiedene Methoden helfen dir dabei, die Varroa-Population einzudämmen und so die Widerstandskraft deines Volkes zu sichern. In diesem Beitrag zeigen wir dir, wie du den Befall im Sommer einschätzt und welche Verfahren sich für eine möglichst ökologische Sommerbehandlung gegen den Varroabefall eignen.

Varroamilbe Nahaufnahme auf einer Wabe

Nahaufnahme einer Varroamilbe (Varroa destructor). Sie ist nur etwa 1,1 mm lang und 1,6 mm breit.

Die Varroamilbe ist ein Parasit, der sich in den Brutzellen eines Bienenvolkes vermehrt, sein Immunsystem schwächt und Krankheiten übertragen kann. Seit die Varroamilbe in den 1970er-Jahren aus Asien nach Europa gelangt ist, macht sie Honigbienen und Imker:innen das Leben schwer.

Daher ist es wichtig, den Befall deines Bienenvolkes mit Varroamilben stets im Auge zu behalten. Besonders in der zweiten Sommerhälfte wird der Befallsgrad deutlich zunehmen, weil die Milben sich in der verdeckelten Brut weiter vermehren, das Bienenvolk selbst aber langsam kleiner wird.

Suche nach Varroamilben in der BienenBox, Teilnehmr des Imkerkurses halten den Boden der BienenBox, eine Frau hält eine Lupe in der linken Hand.

Milbenbefall bestimmen mit Lupe und BienenBox-Boden

Wie lässt sich der Milbenbefall bestimmen?

Den Grad des Befalls kannst du mit Hilfe verschiedener Methoden bestimmen. Eine Möglichkeit ist die Untersuchung des Bodens der BienenBox. Säubere den Boden (auch “Varroaboden” oder “Gemüllwindel” genannt) vorab gründlich und setze ihn wieder in die BienenBox ein. Lass mindestens drei Tage vergehen, bevor du ihn erneut entnimmst und gründlich untersuchst. Zähle alle toten Varroamilben, die auf dem Boden gelandet sind. Dazu hat es sich bewährt, eine Lupe zu Hilfe zu nehmen, denn die Milben sind sehr klein. Dividiere schließlich die Milbenzahl durch die Anzahl der Messtage, um herauszufinden, wie viele Milben pro Tag auf dem Boden gelandet sind. Eine Behandlung sollte bei mehr als 5 Milben/Tag durchgeführt werden.

Eine kleine braune Varroamilbe, ist auf einer weißen Fläche, umgeben von Krümeln, in einem grünen Kreis zu sehen.

Nahaufnahme einer Varroamilbe auf der Gemüllwindel

Achtung: Halte nach Ameisenstraßen Ausschau! Ameisen tragen an bodennahen Standorten gerne Milben weg und verfälschen dadurch das Messergebnis. Falls du Probleme mit Ameisen haben solltest, kannst du vor deiner Messung mit einem Pinsel oder mit der Hand eine Schicht Speiseöl auf den Varroaboden auftragen.

Tipp: Die Puderzuckermethode ist ein alternativer Weg der Befallsbestimmung. Dabei erhebst du eine Stichprobe von lebenden Varroamilben, indem du sie mit einem speziellen Becher und etwas Puderzucker direkt von den Bienen herunter schüttelst. Im Internet findest du ausführliche Anleitungen und Videos dazu. Die Methode gilt als etwas genauer als die Bodenuntersuchung, ist aber auch aufwendiger in der Durchführung.

Eine weiße Oberfläche mit verstreuten kleinen braunen Flecken und unregelmäßigen Flecken, die an Schmutz, Schutt oder möglicherweise Essenskrümel und -reste erinnern.

Suchbild: Findest du alle zwölf Milben?

Gängige Methoden der Sommerbehandlung gegen die Varroamilbe

Zwischen Mitte Juli und spätestens Mitte August sollten Imker:innen ihre Bienenvölker gegen die Varroamilbe behandeln. Zu den wichtigsten Verfahren der Sommerbehandlung gehören:

Biotechnische Methoden wie das Bannwabenverfahren, das Käfigen der Königin oder das Kunstschwarmverfahren (dazu zählen auch Varianten wie Flugling und Brutling): Milben werden durch den Eingriff in den Brutzyklus reduziert – teils ohne chemische Mittel. Diese Verfahren werden in der ökologischen Imkerei empfohlen, weil es sich um besonders bienenschonenende Methoden handelt.

Zu den biotechnischen Maßnahmen So funktionieren die gängigsten biotechnischen Maßnahmen

Ameisensäurebehandlung: Bewährt und effektiv, da sie auch in die verdeckelte Brut wirkt. Besonders für Einsteiger:innen geeignet.

Zur Ameisensäurebehandlung Ameisensäurebehandlung Schritt für Schritt erklärt

Oxalsäurebehandlung im brutfreien Zustand: Kann im Zuge der Sommerbehandlung eingesetzt werden, nachdem über biotechnische Verfahren eine künstliche Brutfreiheit erzeugt wurde und ist damit ein ergänzendes Verfahren, das häufig im Spätsommer oder Herbst angewendet wird.

Zur Oxalsäurebehandlung Zur Einführung in die Oxalsäureverdampfung

Herkömmliche Verfahren, mit Medikamenten oder organischen Säuren, haben oft Nebenwirkungen und hinterlassen mitunter Rückstände in Wachs oder Honig. Der Einsatz synthetischer Medikamente führt früher oder später zu Resistenzen und schädigt außerdem die Umwelt. 

Wichtig zu wissen:

Eine Behandlung mit Medikamenten oder Säuren darf erst nach der Honigernte erfolgen, da danach keine Ernte mehr erlaubt ist – gesetzlich vorgeschriebene Wartezeiten sollen verhindern, dass Rückstände in den Honig gelangen (geregelt durch das Arzneimittelgesetz und die Vorgaben für Tierarzneimittel im Lebensmittelbereich). Wer hingegen auf biotechnische Maßnahmen ohne Säuren setzt, kann auch später noch Honig entnehmen. Diese Regelung gilt nicht nur für die gewerbliche Honigproduktion, sondern auch, wenn man privat einzelne Waben entnimmt.

Zwei Ansichten von Naturbau-Waben mit Honigbienen: Links Draufsicht auf Rähmchen mit Bienenvolk und Wabenbau, rechts Hand hält Rähmchen mit hängenden Naturwaben im Freien

Biotechnische Maßnahmen: Mittels Käfigen der Königin (links) oder Bannwabe (rechts) kann Brutfreiheit erzeugt werden.

Wer sich eher an den natürlichen Abläufen orientieren möchte, um die Varroamilbe in Schach zu halten, sollte daher einen Blick auf die biotechnischen Verfahren werfen: Bei vergleichbarem Lern- und Arbeitsaufwand werden Brutunterbrechungen und Milben-Entnahmen geschickt kombiniert, um eine möglichst bienenschonende Sommerbehandlung gegen den Varroabefall möglich zu machen. Das Volk hat dadurch eine deutlich geringere Milbenlast und es bekommt gleichzeitig die Möglichkeit, natürliche Abwehrmechanismen zu praktizieren. Nebenwirkungen sind sehr gering und es treten, je nach Verfahren, wenig oder gar keine Rückstände auf.

Zu den biotechnischen Maßnahmen

So geht’s weiter im Bienenjahr:

Futterkontrolle & Räuberei
Bildnachweis

Fotos Königinnenkäfigen & Bannwabenverfahren          Alix Roosen