Mentale Gesundheit: 5 Gründe, warum Imkern dir gut tut

Mit Bienen gegen den Dauerstress

Die Corona-Pandemie und das Weltgeschehen der letzten Jahre haben bei fast allen Menschen Spuren hinterlassen. Sorgen um die Zukunft, um Sicherheit, um Finanzen, um die eigene Gesundheit und die der liebsten Menschen – wir alle tragen dieser Tage ein Päckchen mit uns, das für viele schwerer sein dürfte als im vergangenen Jahrzehnt. Dieser Dauerstress kann krank machen. Ein dauerhaft erhöhter Cortisolspiegel kann die Entstehung zahlreicher körperlicher Erkrankungen begünstigen, zum Beispiel am Magen, an den Gefäßen und am Herz-Kreislauf-System.

Imkern ist nachweislich gut für deine mentale Gesundheit

Nicht alle Faktoren, die zu erhöhtem Stressempfinden führen, können wir selbst beeinflussen – viele entziehen sich unserer Kontrolle. Umso wichtiger ist es, immerhin unseren persönlichen Umgang mit den Stressauslösern selbst in die Hand zu nehmen. Eine aktuelle Untersuchung des Laboratory of Apiculture and Social Insects (LASI) legt nahe, dass die Bienenhaltung positive Effekte auf unsere mentale Gesundheit (zum Beispiel unsere Stressregulation) haben könnte. [1] Imkern könne demnach Stress und Angstgefühle reduzieren und das Selbstwertgefühl stärken. Auch der gemeinschaftliche Aspekt fördere das seelische Wohlbefinden der Bienenfans.

Dass mentale (= psychische) Gesundheit ein relevanter Faktor für die Bewältigung unseres täglichen Lebens ist, macht die Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) deutlich:

Mentale (oder “psychische”) Gesundheit – Begriffserklärung

“Psychische Gesundheit ist ein Zustand des Wohlbefindens, in dem eine Person ihre Fähigkeiten ausschöpfen, die normalen Lebensbelastungen bewältigen, produktiv arbeiten und einen Beitrag zu ihrer Gemeinschaft leisten kann.”

Quelle: WHO (2019): Faktenblatt – Psychische Gesundheit [2]

Die Bienenhaltung als Ergänzung zur klassischen Psychotherapie erleben Patient:innen in psychiatrischen Kliniken und Suchtbehandlungsstellen, Kriegsrückkehrende und Rettungskräfte in wegweisenden Projekten. Aber auch Hobby-Imker:innen profitieren von den heilsamen Sinneserfahrungen, Tätigkeiten und Naturerlebnissen am Bienenstock – vielleicht ohne sich dessen bewusst zu sein. Hier sind fünf Gründe, warum die Bienen gut für deine mentale Gesundheit sein könnten.

Bienen und mentale Gesundheit - Bienenkette

Eine für alle, alle für eine

Das Bienenvolk ist ein Superorganismus, der sich aus zehntausenden Einzeltieren zusammensetzt. Die einzelne Honigbiene ist dabei nicht ohne das Kollektiv überlebensfähig. Auch das menschliche Individuum ist keine Insel – sozialer Austausch mit allen Sinnen ist eines unserer Grundbedürfnisse und damit entscheidend für unser seelisches Wohlbefinden.

1. Imkern ist wie Meditieren

Beim Imkern benötigst du viel Konzentration, Ruhe und sanfte Bewegungen. Wer mit den Bienen umgeht, muss achtsam sein. Bist du innerlich unruhig, spüren die Bienen das und spiegeln es dir wider, zum Beispiel, indem der Ton des Schwarms sich ändert. Still den Bienenstaat zu beobachten, um den Zustand des Volkes wahrzunehmen – allein das ist schon eine kontemplative Erfahrung. In vielerlei Hinsicht ist Imkern wie Meditieren – nur dass du eben nicht auf einem Kissen sitzt, sondern dich im Freien bewegst.

Summ, summ, summ – das Gedankenkarussell wird stumm

In den USA und Kanada werden Honigbienen in Projekten mit Veteran:innen eingesetzt, die aufgrund ihrer Kriegserfahrungen unter einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) leiden. Die Tätigkeiten am Bienenstock sollen etablierte Therapieformen ergänzen. Teilnehmende berichten, dass die Konzentration auf die Bienen ihnen dabei hilft, mit ihrer Aufmerksamkeit im Hier und Jetzt zu sein, statt an belastende Erinnerungen zu denken. Wie genau die Bienenhaltung den Veteran:innen hilft, wird begleitend zum Projekt erforscht. [3]

2. Imkern spricht deine Sinne an

Viele Menschen empfinden den Klang eines (ungestörten) Bienenstocks als beruhigend. Auf YouTube findest du zahlreiche Videos mit mehrstündigen Audioaufnahmen aus dem Bienenstock. Klänge haben einen direkten Einfluss auf unsere Herzfrequenz, unsere Gehirnströme und unseren Blutdruck. Langanhaltende, tragende Klänge wie das stetige Surren eines Bienenvolkes aktivieren den Parasympathikus, also den Teil des vegetativen Nervensystems, der für Ruhe und Erholung zuständig ist [4]. Eine Studie aus England hat ergeben, dass Klänge aus der Natur sich positiv auf die mentale Gesundheit auswirken, wenn sie Geräusche aus der Tierwelt enthalten [5].

Betten auf Bienen – ein beflügelnder Schlaf

In einigen Ländern wie Slowenien, Russland und der Ukraine ist eine Form der Bienentherapie verbreitet, bei der man direkt über dem Bienenstock schläft [6]. In kleinen Häuschen oder Wägen wird ein Holzbett direkt über den Bienenstöcken montiert. Wer sich auf dieser Konstruktion zur Ruhe legt, spürt die Vibration des Bienenvolks mit dem ganzen Körper. Die Bienen können nur durch einen Eingang an der Rückseite des Häuschens ein- und ausfliegen, es ist also kein direkter Kontakt mit den Tieren notwendig. Durch vergitterte Luftschlitze strömen Düfte aus dem Bienenstock in den Schlafbereich. Die flüchtigen Stoffe aus Honig, Pollen und Wachs sollen heilsam und entspannend wirken und für einen erholsamen Schlaf sorgen [7].

3. Beim Imkern spürst du deine Selbstwirksamkeit

Als Hüter:in deines Schwarms übernimmst du Verantwortung für andere Lebewesen. Du übernimmst eine Rolle, in der du gebraucht wirst. Das kann dir das Gefühl von Sinnhaftigkeit geben. In einer Arbeitswelt voller Boreout, Burnout und “Bullshit-Jobs” suchen viele Menschen nach Sinn und Selbstwirksamkeit in privaten Projekten. 

Selbstwirksamkeit – Begriffserklärung

“Selbstwirksamkeitserwartung ist die subjektive Überzeugung, neue oder schwierige Anforderungssituationen aufgrund eigener Kompetenzen bewältigen zu können. (…) Personen mit hoher Selbstwirksamkeitserwartung sind überzeugt, ihre Umwelt aufgrund ihrer Kompetenzen beeinflussen zu können.”

Quelle: Dorsch, Lexikon der Psychologie

Indem du deinen Schwarm vom Einlogieren über den Winter bis hin zur ersten Honigernte im Folgejahr begleitest, bekommst du ein Verständnis für natürliche Kreisläufe und dafür, dass Gutes Zeit braucht. Die Erfüllung und der Stolz, die damit einhergehen, heben sich von der unmittelbaren und kurzfristigen Befriedigung ab, der wir in einer schnelllebigen Welt hinterherjagen.

Bienen und mentale Gesundheit - Garten

“Wenn ich im Garten arbeite, arbeitet der Garten in mir”

Das gilt auch für die Arbeit mit den Bienen. Imker:innen berichten, dass die Beschäftigung mit den Bienen die Achtsamkeit schult und entspannt, die Sinne anspricht und die Neugier für die kleinen und großen ökologischen Zusammenhänge anregt.

4. Als Imker:in lernst du nie aus

Wie erkenne ich, wann ein Bienenvolk bereit ist zu schwärmen? In welchen Waben finde ich Eier, Larven, Pollen, Nektar und die Königin? Wie kommunizieren die Bienen miteinander – und mit mir? Als Hobby-Imker:in musst du dir stetig neues Wissen und neue Fähigkeiten aneignen. Sei es indem du in einem Imkerkurs praktische Erfahrungen machst, ein Buch über ökologische Bienenhaltung liest oder dich neben deine BienenBox setzt und beobachtest. Ein Bienenvolk entwickelt sich ständig weiter, und jedes Bienenvolk hat seine eigene Persönlichkeit. Je mehr Zeit du mit ihm verbringst, desto mehr Facetten dieser Persönlichkeit wirst du entdecken – ganz so wie bei einem guten Freund.

Lebenslanges Lernen verändert den Aufbau des Gehirns.

Indem du dir Wissen aneignest, Fähigkeiten erwirbst oder neue Erfahrungen machst, werden die Neuronen in deinem Gehirn angeregt. Es bilden sich frische Nervenbahnen. Die Fähigkeit des Gehirns, neue Nervenbahnen zu bilden, nennt man Neuroplastizität. In der Forschung gibt es Anhaltspunkte dafür, dass eine erhöhte Neuroplastizität das Gehirn langsamer altern lässt

Vertrauen in die eigenen Kompetenzen

Imkern hält uns nicht nur geistig fit – es kann uns auch in schwierigen Lebenslagen wieder zu mehr Selbstbewusstsein verhelfen. Ein Imkerprojekt für Patient:innen einer psychiatrischen Klinik in Irland hat gezeigt, dass sich das Selbstwertgefühl der Teilnehmer:innen bereits in den ersten sechs Monaten verbesserte. Im Projekt bauten Patient:innen und Mitarbeiter:innen der Klinik gemeinsam Bienenstöcke und besuchten einen Imkerkurs. Die Patient:innen waren froh, dank des Bienenprojekts ein Gesprächsthema zu haben, das nicht ihre Krankheiten im Fokus hatte. [10]

5. Imkern verbindet dich mit Gleichgesinnten 

Wer das Verhalten einer einzelnen Honigbiene untersuchen will, kommt nicht weit, ohne den gesamten Bienenstaat zu betrachten. In dieser Hinsicht ist die Honigbiene das perfekte Beispiel dafür, dass unser individuelles Wohlbefinden nicht getrennt von kollektiven Faktoren betrachtet werden kann. [11] Dass auch die Wirksamkeit einer regelmäßigen Meditations-, Yoga-, oder Achtsamkeitspraxis irgendwann an ihre Grenzen stößt, wenn die Widrigkeiten der äußeren Umstände zu groß werden, haben viele von uns in den letzten zwei Jahren selbst erlebt. Eine kanadische Studie hat gezeigt, dass ein starkes Zugehörigkeitsgefühl sich positiv auf die psychische Gesundheit auswirkt. [12]

Imker:in wird man selten allein

Imker:in wird man in der Regel nicht, ohne sich mit einer Community zu vernetzen. Imkerpat:innen, lokale Imkervereine, Imkerkurs und einschlägige Online-Plattformen ermöglichen einen Austausch mit Gleichgesinnten. Für viele Menschen ist das soziale Miteinander in den letzten Jahren aufgrund der Corona-Maßnahmen zu kurz gekommen. Umso mehr freuen wir uns, auch in diesem Jahr wieder Imkerkurse direkt an der BienenBox anbieten zu können, bei denen du wertvolle Kontakte in deiner Region knüpfen kannst.

Bienen und mentale Gesundheit - Imkerkurs

Gemeinsame Sache

Imkern kann ein geselliger Zeitvertreib sein. Im Imkerkurs lernst du Gleichgesinnte kennen, die dich bei deinem Lernprozess begleiten. Zusammen macht das Lernen mehr Spaß – und der Rückhalt der Gruppe ist Gold wert, wenn es mal wirklich schwierig wird.

Überzeug dich selbst!

Du möchtest selbst herausfinden, wie das Imkern zu deinem persönlichen Wohlbefinden beitragen kann? In den Praxiseinheiten unserer Jahreskurse erlebst du die Bienen hautnah und mit allen Sinnen. Dabei lernst du Gleichgesinnte kennen, mit denen du über den Kurs hinaus vernetzt bleiben kannst. Die Anmeldung für unsere Imkerkurse mit Start im April/Mai 2022 ist noch bis zum 29.04.2022 möglich.

Bildnachweis

1: Frau mit Maske
2: Bienenkette

Eldar Nurkovic via shutterstock
Ante Hamersmit via Unsplash

3: Garten
4: Imkerkurs

Mark Erskine via Unsplash
Pass The Honey via Unsplash

Quellen

[1] Alton, Karin/Ratnieks, Francis (2021): Can Beekeeping improve Mental Wellbeing during Times of Crisis?. Bee World https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/0005772X.2021.1988233

[2] Weltgesundheitsorganisation (2019): Psychische Gesundheit – Faktenblatt. https://www.euro.who.int/__data/assets/pdf_file/0006/404853/MNH_FactSheet_DE.pdf 

[3] Casey, Michael/Householder, Mike (2019): Veterans with PTSD, anxiety, turn to beekeeping for relief. The Associated Press. https://apnews.com/article/anxiety-mn-state-wire-nv-state-wire-bees-mi-state-wire-69e5ba92366048b9b0e78d9f6b68b14d <Stand: 11.9.2019> <Zugriff: 8.4.2022>

[4] Vitale, Simone (2019): Sound Therapy and the Vagus Nerve. https://thesoundhealer.org/sound-therapy-and-the-vagus-nerve/ <Stand: 24.9.2019> <Zugriff: 8.4.2022>

[5] BBC News South West (2022): Research finds nature sounds ‘benefit mental health’: https://www.bbc.com/news/uk-england-devon-60840759 <Stand: 23.3.2022> <Zugriff: 8.4.2022>

[6] BBC Reel (2020): The therapeutic sound of Slovenian bees. https://www.bbc.com/reel/playlist/spiritual-awakening?vpid=p08lb5l6.  <Stand: 21.7.2020> <Zugriff: 8.4.2022>

[7] SWR Fernsehen (2021): Schlafen im Bienenstock. https://www.swrfernsehen.de/natuerlich/schlafen-im-bienenstock-100.html <Stand: 28.9.2021> <Zugriff: 8.4.2022>

[9] Rodericks, Alison (2020): The mental health benefits of learning a new skill. https://www.upskilled.edu.au/skillstalk/mental-health-benefits-learning-new-skill <Stand: 16.6.2020> <Zugriff: 8.4.2022>

[10] Finnegan, Martha (2015): Beekeeping initiative improves quality of life for patients with mental illness, The Irish Times. https://www.irishtimes.com/life-and-style/health-family/beekeeping-initiative-improves-quality-of-life-for-patients-with-mental-illness-1.2360150 <Stand: 30.09.2015> <Zugriff: 2.4.2022> 

[11] Pike, Kathleen M. (2016): Bees!. Five on Friday / Musings on Mental Health. https://www.cugmhp.org/five-on-friday-posts/bees/ <Stand: 14.10.2016> <Zugriff: 8.4.2022> 

[12] Palis H, Marchand K./Oviedo-Joekes E. (2020): The relationship between sense of community belonging and self-rated mental health among Canadians with mental or substance use disorders. J Ment Health. 2020 Apr;29(2):168-175. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29431529/

2 Kommentare zu “Mentale Gesundheit: 5 Gründe, warum Imkern dir gut tut

  1. Bernadette sagt:

    Ich kann das nur bestätigen, habe vor 2 Jahren nach einer umfassenden Krise einen neuen Lebensabschnitt begonnen, meine Bienen sind Teil meines neuen Lebens und ich bin so glücklich und dankbar, wenn ich heim komme, mich am Balkon setzte und am Frieden und der Harmonie meines Bienenvolkes teilhaben darf. Danke an die Stadtbienen!

    • Marie [Stadtbienen] sagt:

      Liebe Bernadette, wie schön zu hören, dass deine Bienen dir so gut tun! Wir wünschen dir auch diesen Sommer viele erholsame Stunden mit deinen Schützlingen!

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