Oxalsäure-Verdampfung als neu zugelassene Methode der Varroabehandlung: eine Einführung

Seit drei Monaten dürfen nun auch deutsche Imker:innen Oxalsäure verdampfen, um ihre Bienenvölker gegen die Varroamilbe zu behandeln. Die Milbe parasitiert auf Honigbienen und schwächt die Bienenvölker erheblich – ihre Ausbreitung gilt als eine der Hauptursachen für das Bienensterben. Entsprechend wichtig ist die regelmäßige Behandlung der Bienenvölker, um den Milbenbefall unter die für die Völker kritische Schwelle zu bringen. Die Anwendung von Oxalsäure zur Varroabekämpfung hat sich dafür längst bewährt und blickt in Deutschland auf eine gut zwanzigjährige Geschichte zurück. [1]


Ein Gastbeitrag von Fritz Höfler, Lehr- und Projektbeauftragter an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. Arbeitet in seiner Freizeit als zertifizierter Bestäubungsimker und Bienenpädagoge. fritz.hoefler@hswt.de

Ursprünglich wurde Oxalsäure ausschließlich als Kontaktbehandlung verwendet, bei der die Säure direkt auf die Bienen aufgetragen wurde. Später wurde die Sprüh- und schließlich die Verdampfungsmethode entwickelt, bei der Oxalsäure in Form von Dampf in das Bienenvolk eingebracht wird. Dies hat den Vorteil, dass die Säure besser verteilt wird.

Methoden der Oxalsäure-Behandlung von Varroamilben

Grundsätzlich gibt es nun auch in Deutschland drei Möglichkeiten der Oxalsäure-Behandlung:

  1. Oxalsäure träufeln: Hier wird eine Oxalsäure-Lösung zur Restentmilbung in der Regel im Winter auf die Bienen getropft. 
  2. Oxalsäure sprühen: Seit 2017 dürfen Imker:innen auch das Sprühverfahren anwenden. Dafür sind verschiedene Produkte zugelassen, z. B. “Oxuvar 5,7%” und “Varromed”.
  3. Oxalsäure verdampfen: Seit Herbst 2023 ist auch das Verdampfen der Oxalsäure (Sublimation) in Deutschland erlaubt. Das bisher einzig zugelassene Produkt ist “Varroxal 0.71 g/g Bienenstock-Pulver” von Andermatt BioVet.

Sublimation – Begriffserklärung
Als Sublimation (oder Sublimierung) bezeichnet man den unmittelbaren Übergang eines festen Stoffes in den gasförmigen Aggregatzustand, ohne dass sich dieser zwischen beiden Zuständen verflüssigt. Dabei handelt es sich um einen rein physikalischen Prozess, bei dem der Stoff chemisch unverändert bleibt. [2]

Das zur Oxalsäure-Sublimation zugelassene Oxalsäure-Dihydrat-Pulver beginnt bei einer Temperatur von 157 °C zu verdampfen. Ab 189,5 °C zersetzt sich die Oxalsäure und verliert ihre Wirkung. [3]

Wissenschaftliche Versuche haben gezeigt, dass Oxalsäure durch ihr „Sauer-Sein“ wirkt. Wird Oxalsäure verdampft (oder gesprüht), sind die Bestandteile der Säure so klein, dass sie sich in der Feuchtigkeit der Stockluft lösen und dadurch sauer werden. Beim Träufeln wird zusätzlich Zucker verwendet, da dieser Wasser bindet. Diese Eigenschaft machen sich Präparate wie beispielsweise Oxuvar oder die Oxalsäure vom Serumwerk Bernburg zunutze: Der Zucker in der fertigen Lösung hält diese länger flüssig und dadurch „aktiv“. Oxalsäure wirkt über Kontakt, also von außen auf die Milben. Der Zucker macht die Lösung klebrig und aufgrund des Putztriebs der Bienen wird sie in der Folge gut in den Völkern verteilt.

Für alle Behandlungsmethoden mit Oxalsäure gilt: Um die Varroamilben effektiv bekämpfen zu können, sollten die Bienenvölker brutfrei sein. Zwar halten sich die Milben bevorzugt in Brutzellen auf, Oxalsäure wirkt aber nur auf Varroamilben auf erwachsenen Bienen und in offener Brut. In verdeckelten Brutzellen werden die Milben jedoch nicht erreicht. Deshalb behandelt man bevorzugt im Winter mit Oxalsäure, wenn die Bienen nicht brüten. Wer im Sommer für eine kurzfristige Brutfreiheit sorgt (z. B. durch das Käfigen der Königin oder eine totale Brutentnahme), kann auch zu dieser Jahreszeit mit Oxalsäure arbeiten. Neben den erzeugten Brutpausen gibt es gelegentlich auch natürliche Perioden, in denen die Bienen nicht brüten, etwa im Falle von Trachtlücken, im Prozess einer Umweiselung oder wenn die Völker schwärmen, auch hier kann die Oxalsäure-Behandlung wirksam angewendet werden.

Oxalsäure wirkt nur bei Brutfreiheit

Die Behandlung erreicht Varroamilben nur auf erwachsenen Bienen und in offener Brut, in verdeckelten Brutzellen wirkt Oxalsäure nicht.

Oxalsäure ist aktuell die einzige Substanz, die für die Winterbehandlung eingesetzt werden kann. Das ist darauf zurückzuführen, dass sie über den Kontakt mit den Bienen wirksam wird. Sie muss sich nicht in der Stockluft anreichern, sondern wird von den Insekten verteilt. 

Imker:innen, die die bisher übliche Träufelbehandlung im Winter durch die Oxalsäure-Verdampfung ersetzen wollen, sollten dabei beachten, dass die Bienen nicht in der Wintertraube zusammensitzen, weil sich die Oxalsäure-Dämpfe dann schlechter unter den Bienen verteilen. Entsprechend sollte die Außentemperatur bei einer Sublimation nicht unter +4°C liegen. Grundsätzlich empfiehlt sich das Verdampfen, wenn alle Bienen in der Beute sind. Dies ist am frühen Morgen oder späteren Abend der Fall.

Die Oxalsäure-Verdampfung mit “Varroxal 0.71 g/g Bienenstock-Pulver”

Das langjährige Zögern bei der Zulassung  der Oxalsäure-Sublimation in Deutschland lag in  Bedenken hinsichtlich der Arbeitssicherheit der Anwender:innen und dem Ausbleiben klarer Empfehlungen durch die Bieneninstitute begründet. Zudem gab es kein Präparat mit Einzelzulassung. Die nun mögliche Anwendung der Oxalsäure-Verdampfung ist reguliert. Es gibt Richtlinien und Empfehlungen zur Anwendung, um sicherzustellen, dass die Behandlung effektiv ist und dass die Bienen und Imker:innen geschützt werden. Das Verdampfen ist in Deutschland ausschließlich im Rahmen der Zulassung erlaubt, die Andermatt BioVet erhalten hat. Das bedeutet konkret: Nur “Varroxal 0.71 g/g Bienenstock-Pulver” darf verdampft werden und die Anwendungshinweise der Packungsbeilage müssen strikt eingehalten werden. Der Hersteller Andermatt BioVet empfiehlt den hauseigenen Verdampfer Varrox Eddy, da dieser in den Zulassungsversuchen ausreichend getestet wurde. Und auch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) beschränkt sich bei der Aufzählung “geeigneter Modelle” auf den Varrox und den Varrox Eddy: “Da sowohl Wirksamkeit als auch Verträglichkeit zwischen unterschiedlichen Verdampfermodellen je nach Bauart variieren kann, ist die Zulassung der Verdampfungsmethode von Varroxal zum derzeitigen Kenntnisstand ausschließlich auf die in der Fachinformation genannten Modelle (Varrox und Varrox Eddy) zu beschränken.” [4]  

Egal mit welchem Gerät, die Oxalsäure muss erhitzt werden, um zu verdampfen. Bei 157°C sublimiert sie und geht direkt vom festen in einen gasförmigen Zustand über. Im Bienenstock kühlt das Gas wieder ab und die Oxalsäure resublimiert in den festen Zustand. Dadurch verteilt sich diese als feinkristalliner Nebel auf den Bienen. Nach dem Verdampfen wirkt Oxalsäure als Kontaktgift gegen die Varroamilbe, hauptsächlich aufgrund ihrer Säure-Eigenschaft. [5] Sie wirkt ausschließlich auf Varroamilben, die sich auf den Bienen befinden und zeigt keine Wirkung auf Milben in der verdeckelten Brut. Das Absterben der Milben dauert in der Regel mehrere Tage bis Wochen.

Varroxal 0.71 g/g Bienenstock-Pulver

Das Oxalsäure-Dihydrat-Pulver ist das bisher einzige für die Sublimation zugelassene Produkt in Deutschland.

Wie funktioniert das Verdampfen konkret?

Die Anwendung erfolgt mit dem Varrox oder dem Varrox Eddy. Man füllt Oxalsäure-Dihydrat-Pulver in das Pfännchen des Verdampfers, schiebt dieses durch das Flugloch unter die Bienentraube und versiegelt das Flugloch. Sofern die Wahl auf den Varrox Eddy fällt, wird das Gerät mit einem Tastendruck gestartet. Um nicht mit dem Oxalsäuredampf in Kontakt zu kommen, sollte sich der/die Imker:in für die Dauer der Behandlung von der Beute entfernen. Der Varrox-Eddy reguliert die Behandlungszeit und -temperatur automatisch. Nach Abschluss der Behandlung wird der Tiegel gewechselt und für die nächste Behandlung vorbereitet. Sobald die Leuchten grün sind, kann die nächste Behandlung beginnen. [6]

Der Verdampfer InstantVap im Einsatz

Der InstantVap ist eines der Geräte, die international schon seit Jahren im Umlauf sind und das zum Beispiel von Marian, unserem Imker in Wien, favorisiert wird. Für Deutschland fehlt aber noch der Nachweis, dass es sich um ein für die Sublimierung von Varroxal geeignetes Gerät handelt.

Grundsätzlich benötigt man 2 g Varroxal für eine Behandlung. Beim Umgang mit der nicht ungefährlichen Oxalsäure sind Schutzmaßnahmen erforderlich. Es muss eine persönliche Ausrüstung getragen werden, bestehend aus langärmeliger Schutzkleidung, chemikalienresistenten Handschuhen, Schutzbrille und Schutzmaske (FFP3). Wichtig ist außerdem, dass sich während der Behandlung keine ungeschützten Personen in der Nähe des Bienenstocks aufhalten. Es ist Aufgabe der Imker:innen, die Anwendung der Oxalsäure sorgfältig im Bestandsbuch zu dokumentieren, einschließlich des Zeitpunkts, der Dosierung und aller besonderen Umstände. Dies ermöglicht eine Rückverfolgung und eine bessere Kontrolle der Behandlungsergebnisse. Die Dokumentation muss zusammen mit dem Kaufbeleg fünf Jahre lang aufbewahrt und bei einer Kontrolle vorgezeigt werden können.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Verdampfen von Oxalsäure streng reguliert und nur unter bestimmten Bedingungen erlaubt ist. Für Imker:innen ist es wichtig, dass sie sich an diese Vorschriften halten. So schützen sie nicht nur die Gesundheit der Bienen, sondern auch die eigene.

Verdampfen mit Oxalsäure: Vorteile und Nachteile

Alle oben beschriebenen Varianten der Behandlung mit Oxalsäure haben bei korrekter Anwendung einen sehr hohen Wirkungsgrad (ca. 95%). Die Oxalsäure-Verdampfung bietet Imker:innen darüber hinaus einige Vorteile, die sich insbesondere im Vergleich mit der Träufelmethode zeigen: Sollten die Temperaturen für eine winterliche Träufelbehandlung zu hoch sein, können Imker:innen jetzt legal auf das Sublimieren umsteigen. So lässt sich vermeiden, dass die Völker gegebenenfalls wieder in die Brut gehen, was zur Folge hätte, dass eine Restentmilbung nicht mehr die gewünschte Wirkung erzielen würde. Auch darf die Träufelbehandlung nur einmal durchgeführt werden, da die Bienen andernfalls zu viel Schaden nehmen könnten. Beim Verdampfen ist die Belastung der Bienen – und damit auch deren Letalität – weit geringer, weshalb Mehrfach-Behandlungen möglich sind. So ließe sich mittels gezielter Blockbehandlung (mehrere Anwendungen in Serien) im Abstand von wenigen Tagen sehr wahrscheinlich sogar trotz nicht vorhandener Brutfreiheit der Großteil der Varroamilben erwischen. Einziger Wermutstropfen könnte für viele interessierte Imker:innen die hohe Investition für den Varrox Eddy (ca. 350,- Euro) sein. Aber wenn man mit dem neuen Verfahren bienengerechter und gezielter behandeln kann und damit die Winterverluste vermindert werden, dann gewinnen auf Dauer sowohl die Bienen als auch der Geldbeutel. 

Lass dich von einem Experten zur Oxalsäure-Verdampfung beraten! Das geht am 12. November in unserem Online-Aufbaukurs zum Thema “Sublimation – Verdampfen mit Oxalsäure”. Imker Marian bringt jede Menge Wissen und Tipps rund um das Verfahren mit und bereitet dich bestens auf die eigene Anwendung vor. Weitere Aufbaukurse gibt es aktuell zu den Themen Varroabehandlung, biotechnische Maßnahmen, Vespa Velutina und chemiefreie Sommerbehandlung. Hol dir jetzt deine Extraportion ökologisches Imkerwissen! 

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Bildnachweis

1: Titelbild
2: Varroa-Brutzelle
3: Varroxal
4: Instantvap

Marian Aschenbrenner/ BIEZEN
xiSerge via Pixabay
Frank Sorge
Marian Aschenbrenner/ BIEZEN

Quellen

[1] Sonnleitner, K., Wirz, J. (2023): Ein langer Weg: die Oxalsäureverdampfung. https://www.mellifera.de/bien/blog/ein-langer-weg-die-oxalsaeure-verdampfung.html <Stand: 13.11.2023> <Zugriff: 02.01.2024> 

[2] Wikipedia: Sublimation (Phasenübergang). https://de.wikipedia.org/wiki/Sublimation_(Phasen%C3%BCbergang) <Stand: 17.10.2023> <Zugriff: 02.01.2024>

[3] Babák, V., Kremserova Gajdova, S., Palíková, M., Papežíková, I., Peterová, H., Navrátil, S., Zachová, A. (2017): Effect of oxalic acid on the mite Varroa destructor and its host the honey bee Apis mellifera. <Stand: 30.06.2017> <Zugriff: 26.01.2024>

[4] Landesamt Buckfastimker Bayern e.V., Mitgliederinformation vom 21.01.2024: Zugelassene Geräte für Oxalsäureverdampfung. https://www.buckfast-bayern.de/neu/2024/01/21/zugelassene-geraete-fuer-oxalsaeureverdampfung/?fbclid=IwAR03Q-B3Nmfe1VrOCZJhUfvwu0Y2WzBPOUdmNQQaCuCDXjx0eZCLWHlWpVQ <Stand: 21.01.2024> <Zugriff: 30.01.2024>

[5] Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, Celler Infobrief vom 27.11.2023: Was man über „Varroxal 0,71 g/g Bienenstock-Pulver“, dem bislang einzigen zugelassenen Varroazid zum Verdampfen, wissen sollte. https://www.laves.niedersachsen.de/startseite/tiere/bienenkunde/informationsmaterial/was-man-uber-varroxal-0-71-g-g-bienenstock-pulver-dem-bislang-einzigen-zugelassenen-varroazid-zum-verdampfen-wissen-sollte-227472.html <Stand: 27.11.2023> <Zugriff: 02.01.2024>

[6] Andermatt BioVett: VARROX EDDY. https://www.andermatt-biovet.de/de-de/varrox-eddy–p23006?variant=8357

2 Kommentare zu “Oxalsäure-Verdampfung als neu zugelassene Methode der Varroabehandlung: eine Einführung

  1. Linda Ender sagt:

    Liebe Bienenfreunde, ab wann darf ich mich Bienenpädagoge nennen? Gibt es eine Verbindung der “Stadtbienen” zu Portugal? summige Grüsse Linda (Wildbienenpädagogin)

    • Maria sagt:

      Liebe Linda,
      danke für deinen Kommentar! Wir bieten leider (noch) keine Zusatzseminare oder Ausbildungen im Bereich Bienenpädagogik an. Umweltbildung liegt uns trotzdem sehr am Herzen: Mit unseren Projekten, zum Beispiel “Kita- und Schulbienen” oder “Familien schwärmen aus”, führen wir Kinder und Erwachsene an die Welt der Bienen heran und arbeiten mit der Honigbiene als Naturbotschafterin für Artenvielfalt und Biodiversität.
      Da die Bezeichnung Bienenpädagog:in in Deutschland nicht geschützt ist, können wir dir keine genauen Kriterien nennen, die ausschlaggebend für die Qualifizierung sind.

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