Bienenbeuten

Wer sich mit der Haltung von Honigbienen beschäftigt, macht sich früher oder später Gedanken um die geeignete Behausung. Bei der Vielfalt an angebotenen Bienenbeuten – wie man die Behausungen auch nennt – kann man schnell den Überblick verlieren. In unserem Beutenvergleich erläutern wir euch Konzepte und Begriffe wie Magazin, Warré oder Einraumbeute und stellen die verschiedenen Bauformen gegenüber.

Es sei zu Beginn gesagt, dass über Bienenbehausungen immer heiß diskutiert wird und es viele unterschiedliche Meinungen dazu gibt. Wir sind der Meinung: Es gibt nicht die eine, universelle Behausung, sondern jeder (Neu)-Imker muss eine auf die eigenen Bedürfnisse passende Behausung finden. Der folgende Text soll Einsteigerinnen als erste Orientierung dienen – Fachbegriffe sind kursiv dargestellt und werden am Ende der Seite erläutert. Ebenfalls ist wichtig zu wissen, dass diese Aufstellung unsere Sicht/Meinung auf die Dinge darstellt.

Magazinbeute

Magazinbeuten

Bildquelle: Gitarrenbrevier.de

Die Magazinbeute ist die klassische Behausung für die honigintensive Imkerei. Diese Art von Behausung gibt es mit verschiedensten Rähmchenmaßen (wie zum Beispiel: „Zander“, „Deutsch normal“ etc.), die vorgeben in welcher Größe die Bienen ihre Waben bauen können. Der Aufbau durch aufeinander gestapelte Module, auch Zargen genannt, erleichtert die imkerliche Praxis, wenn viele Behausungen des selben Typs in größeren Imkereien eingesetzt werden.Durch den erhöhten Materialaufwand ist diese Behausung nicht gerade platzsparend Lagermöglichkeiten für unbewohnte Zargen werden benötigt. Unterschiedliche Module, sowie eventuell sogar verschiedene Rähmchenmaße können eine höhere Komplexität nach sich ziehen. Durch den Turmaufbau ist die Magazinbeute eher ungeeignet für Menschen, die nicht schwer heben können oder möchten. Eine ökologische Imkerei ist auch in der Magazinbeute theoretisch möglich, jedoch ist die Behausung nicht darauf optimiert.Zusammenfassung: Durch relativ schweres Tragen der Module sowie den benötigten Materialaufwand ist die Magazinbeute für die Handhabung im kleineren Hobbybereich eher ungeeignet. Die Magazinbeute passt gut in das Vorhaben einer langfristig größeren bzw. erwerbsmäßigen Imkerei, die auf konventionelles Imkern ausgelegt ist und eine dementsprechend hohe Honigernte zum Ziel hat.

Bienenkiste

Bienenkiste

Bildquelle: Utopia

Bienenkiste geoffnet

Bildquelle: parzelle94.de

Die Bienenkiste stützt sich auf ein altes Prinzip des Krainer Bauernstocks, der überwiegend im slowenischen Sprachraum für die Wanderimkerei entwickelt wurde. Die Bienenkiste ist eine Behausung, die nach den Prinzipien des Mellifera e.V. und ihren wesensgemäßen Maßstäben ausgelegt wurde.Sie hat keine herausnehmbaren Rähmchen, sondern Stabilbau. Um an das Bienenvolk zu gelangen muss die Behausung nicht wie bei den meisten anderen mit einem Deckel geöffnet, sondern aufgestellt werden. Durch dieses von einigen Anwendern als eher kompliziert empfundene Öffnen der Behausung, werden die Bienen weniger vom Menschen gestört, finden jedoch nicht zurück in die Behausung zurück, wenn diese aufgestellt ist. Die Bienenkiste hat die Eigenschaft einen schönen Blick auf das Bienenvolk als Ganzes zu ermöglichen. Durch den Stabilbau ist ein tiefer Einblick in das Innere des Volkes jedoch nur bedingt möglich, was den Umgang mit möglichen Krankheiten sowie dem Schwärmen tendenziell erschwert.Zusammenfassung:  Die Bienenkiste wird einem hohen Anspruch an eine wesensgemäße Bienenhaltung gerecht und bietet einen schönen Blick auf ein Bienenvolk als ganzes. Im Bezug auf Varroakontrolle, Honigernte und Möglichkeiten der Schwarmhandhabung schränkt sie vorhandene Möglichkeiten ein und wirkt zeitweise unpraktisch.

Einraumbeute

Bienenbeuten - Mellifera Einraumbeute
Die “Mellifera Einraumbeute” ist eine Trogbeute, die vom Mellifera e.V. nach wesensgemäßen Gesichtspunkten entwickelt wurde. Hier liegen die Rähmchen auf einer Ebene aneinandergereiht. Die Einraumbeute bietet sich für eine konventionelle sowie wesensgemäße Bienenhaltung an und arbeitet mit einem großen Rähmchenmaß, welches den Bienen ermöglicht, ein schönes zusammenhängendes Brutnest zu bilden.Für die Stabilität der Naturwaben sowie das Handling können die großen Rähmchen jedoch nachteilig sein. Die Behausung erlaubt eine Bienenhaltung ohne Bücken oder schweres Tragen, jedoch ist sie durch den sperrigen Umgang eher nicht für den platzsparenden Einsatz gedacht.Zusammenfassung: Die Einraumbeute ist durch den Deckel und die Anordnung der Rähmchen Benutzer- und Einsteigerfreundlich. Die großen Rähmchen bieten den Bienen viel Platz für ihr Brutnest, jedoch sind im Handling etwas sperrig.

BienenBox

Bienenbeuten - BienenBox
BienenBox geoeffnet
Die BienenBox ist eine Trogbeute welche ebenfalls aus einer horizontalen Aneinanderreihung von Rähmchen besteht. Dadurch, dass die Rähmchen (wie bei der Einraumbeute) auf einer Ebene liegen und keine modularen Bausteine eingesetzt werden, ist die Bienenhaltung (bei Benutzung der Standvorrichtung) rückenfreundlich und mit relativ wenig Materialaufwand verbunden.Die Behausung wurde vom Stadtbienen e.V. nach ökologischen Gesichtspunkten entwickelt. Die BienenBox besitzt ein kleineres Rähmchenmaß, welches sich besonders für Anfänger*innen im “Handling” eignet. Die Größe zeigt ebenfalls Vorteile beim Naturwabenbau, jedoch ergibt sich dadurch auch eine höhere Anzahl an Rähmchen, weswegen eine Durchsicht tendenziell länger dauern kann. Die BienenBox ist durch ihre schlanke Form und den aufklappbaren Deckel platzsparend und an verschiedenen Orten wie Garten, Dach und auch am Balkon einsetzbar.Handhabung: Viele kleine Rähmchen machen die Durchsicht für Unerfahrene zeitaufwändiger. Die Nutzervorteile liegen im Deckel, der Rähmchenanordnung auf einer Ebene und dem handlichen Rähmchenmaß.

Warré Beute

Bienenbeuten - Warré
Diese Behausung ist eine Entwicklung des Franzosen Émile Warré, der einer der ökologischen Imkerpionier war. Die Behausung besteht aus 2-7 Bauteilen, die zu einem schlanken Turm nach dem Vorbild eines Baums zusammengestellt werden. Durch die geringe Auflagefläche sollte man die Behausung zusätzlich gegen umfallen sichern.Die einzelnen Bauteile sind nicht so schwer, wie bei Magazinbeuten und lassen sich auch leichter verstauen. Das Prinzip arbeitet mit feststehenden Waben, was einen tieferen Einblick für Kontrollen  erschwert. Dies erklärt sich wahrscheinlich dadurch, dass Warré zu seiner Zeit keine Probleme mit der Varroamilbe hatte.Zusammenfassung: Die Warré Beute ist seinerzeit als „Volksbeute“ konzipiert worden, jedoch ist sie im Vergleich zu anderen Behausungen durch die vielen Module, die unbeweglichen Waben und die erschwerte Varroabeobachtung bzw. -behandlung eher unhandlich geworden.

Top Bar Hive

Bienenbeuten - Top Bar Hive

Die Top Bar Hive funktioniert ebenfalls nach dem Prinzip der Trogbeute. Im Gegensatz zu Einraumbeute und BienenBox werden hier jedoch keine ganzen Rähmchen eingesetzt, sondern ausschließlich Oberträger (Oberer Träger der 4 Rähmchenteile) eingelegt. An diesen fangen die Bienen an ihre Waben zu bauen und die nach unten spitz zulaufenden Seitenwände sollen verhindern, dass die sie die Waben mit der Innenwand der Behausung verbinden.Diese theoretische Überlegung funktioniert jedoch in der Praxis nicht immer so tadellos, Wabenrisse können die Folge sein. Da die Bienen ihre Waben nicht an Seitenteilen von Rähmchen anbauen können, ist der Umgang mit den Waben an den Oberträgern sehr empfindlich. Die Top Bar Hive gibt es in verschiedenen Oberträgergrößen und wird vor allem wegen ihres simplen Aufbaus bei Selbstbauer*innen oder im Kontext der Entwicklungszusammenarbeit eingesetzt.Zusammenfassung: Die Top Bar Hive ist durch ihren grundsätzlichen Aufbau benutzerfreundlich und für Selbstbauer*innen attraktiv. Durch die ausschließliche Benutzung des Oberträgers als Wabenhalter ist das Handling sehr feinfühlig, was gerade für Anfänger*innen die Praxis erschweren kann.

Beutenvergleich in Tabellenform

Bienenbeuten Vergleich Tabelle

Begriffserklärungen

 

Konzept:

  • Konventionelles Imkern: Bezeichnet eine Imkerei, die über die letzten Jahrzehnte Praxen mit dem Ziel der Honigmaximierung, entwickelt hat.
  • Wesensgemäßes Imkern: Diese Bezeichnung hat der 1985 entstandene Mellifera e.V. definiert und danach seine Behausungskonzepte ausgelegt.
  • Ökologisches Imkern: Diese Bezeichnung nutzt der Stadtbienen e.V., um damit die Bienenhaltung in der BienenBox zu beschreiben.

Bauarten:

  • Mobilbau: Bei diesem Prinzip bauen die Bienen ihre Waben in Rähmchen, welche dann aus der Behausung gehoben werden können.
  • Stabilbau: Bei diesem Prinzip gibt es keine Rähmchen und die Bienen bauen ihre Waben so in die Behausung, dass sie danach nicht beweglich sind.

Grundprinzip:

  • Trogbeute: Eine Behausung, die eine From eines Futtertrogs hat und bei der daher die Rähmchen horizontal in einer Ebene liegen.
  • Krainer Bauernstock: Ein Prinzip, welches sich im slowenischen Sprachraum für die Wanderimkerei durchgesetzt hat.
  • Modular: Bei einem modularen Aufbau besteht die Behausung aus einzelnen Bausteinen, die übereinander gestapelt werden.
  • Zargen: So werde die einzelnen Bausteine beschrieben, die bei einer Behausung (Magazinbeute) übereinander gestapelt werden.

Rähmchen

  • Rähmchen bzw. Rähmchenmaß: In den Rähmchen bauen die Bienen ihre Waben
  • Zander Rähmchenmaß: Ein bestimmtes Rähmchenmaß, welches vor allem im Süden deutschlands eingesetzt wird.
  • Deutsch normal Rähmchenmaß: Ein bestimmtes Rähmchenmaß, welches vor allem im Norden deutschlands eingesetzt wird.
  • Oberträger: Ist eine Holzleiste, die entweder alleine montiert wird oder das oberste Teil eines kompletten Rähmchens darstellt, welches aus 4 Seitenteilen besteht.